PartyPoker: Rake entfällt bei PKO-Turnieren

Der GVC Holdings zugehörige Online-Pokerraum „PartyPoker“ streicht das Rake bei progressiven Knockout-Turnieren (PKOs). So soll der Marktanteil vergrößert werden, um sich gegen die Stars Group-Marktführer „Pokerstars“ und „Full Tilt Poker“ zu behaupten.

Im Rennen um die Marktanteile des Online-Poker-Sektors sind die Marken Full Tilt und vor allem Pokerstars natürlich noch weit mehr als eine Nasenlänge vorn. Doch PartyPoker, der drittgrößte Anbieter der Welt, hat die Verfolgung längst aufgenommen und geht weiter in die Offensive.

Pünktlich zum Start des Serienturniers „PartyPoker Powerfest“ am 6. Mai, wird das Rake auf das Bounty-Element bei sämtlichen PKOs für eine Testphase von sechs Monaten entfernt, verkündet aktuell der PP-Geschäftsführer Tom Waters.

Bis Anfang dieses Monats hatte PartyPoker noch Rake auf die Bounty-Elemente bei PKOs erhoben. Ausschlaggebend für den plötzlichen Sinneswandel sind kürzlich eingegangene Beschwerden mehrerer Spieler über den Umstand.

Laut Waters soll ein Verzicht auf PKO-Rakes demnach auch langfristig zur Regel werden, was für PartyPoker allerdings eine relativ unsichere Investition darstelle, welche den Druck auf die angestrebten Margen stark erhöhe.

„Wir haben über 350 PKO MTTs (Multi-Table-Tournament) pro Woche und Garantien von über vier Millionen US-Dollar. Wir werden für die Umsetzung also die fortlaufende Unterstützung der Spieler brauchen, um gegenüber anderen Online-Pokerseiten wettbewerbsfähig zu bleiben“, appelliert der Geschäftsführer weiterführend an die Pokercommunity.

Damit bereits verkaufte Powerfest-Tickets gültig bleiben und sich der Buy-In nicht verändert, würde folglich der Wert der Kopfgelder um 4% bis 12% steigen – der Rake-Betrag wird zu den Kopfgeldern addiert, um individuelle Gewinne wie auch die allgemeine Dramatik des Turniers zu erhöhen.

Von der Theorie zur Praxis

Bei KO-Turnierformen gewinnen die Spieler üblicherweise bares Cash, wenn sie andere Spieler aus dem Turnier kicken – kurzum: das Kopfgeld des entsprechenden Gegners wird einkassiert – im Pokerslang spricht man typischerweise von einem ‚Bounty‘.

KO-Turniere werden normalerweise als MTT (Multi-Table-Tournament) gespielt, was bedeutet, dass eine variable Anzahl von Tischen bis zum „Final Table“ runtergespielt wird.

PKO-Turniere, die sogenannten „Progressive Knockout-Tournaments“, stellen eine speziellere Form von KO-Poker dar. Im Gegensatz zu herkömmlichen KOs, weist das PKO-Turnier eine Besonderheit bezüglich der Bounty-Regelung auf: Wirft man einen Gegenspieler raus, wird das erbeutete Kopfgeld beim PKO im Verhältnis 50:50 auf den eigenen Gewinn sowie auf das eigene Kopfgeld addiert. Auf diese Weise wird ein Jäger schnell zum Gejagten. Wer die meisten Spieler aus dem Turnier kickt, hat folglich auch selbst die höchste Bounty und wird zum begehrten Angriffsziel.

Wie bereits angedeutet, haben die geplanten Änderungen bei PKO-Turnieren vor allem besondere Auswirkungen auf die Zusammensetzung des Buy-In. Allgemein setzt sich dieser bei Knockout-Turnieren aus drei Komponenten zusammen: 1. Preispool, 2. Kopfgeld (Bounty), 3. Rake (Spielgebühr des Ausrichters).

Der alte Rake-Betrag wird nach Angaben von Tom Waters nun auf die Kopfgelder addiert, was zur Folge hat, dass die Spieler keine Rake an PartyPoker zahlen, sich dafür aber die Kopfgelder jedes einzelnen erhöhen.

Marktführer der Herzen?

Die GVC Holdings zeigt sich zufrieden mit der Entwicklung der Marke PartyPoker, die im Februar 2016 übernommen wurde und welche von der Aktiengesellschaft maßgeblich für die 12 prozentige Einnahmesteigerung im vergangen Jahr verantwortlich gemacht wird.

Über die haushohe Konkurrenz im Sektor Online-Poker war sich die GVC-Führungsriege von Beginn an klar. Der GVC-COO Shay Segev sprach 2017 von einem „sleeping Giant“ – einem „schlafenden Giganten“ – womit er auf die PP-Marktführerschaft bis 2006 verwies, bis der berüchtigte „US-Internet-Gambling-Act“ das Geschäft der damals auf Gibraltar ansässigen Online-Betreiber blockierte.

Innerhalb der Poker-Community erinnere man sich auch heute noch daran, so Segev zum Potential, das in der Marke lediglich schlummere. „Die Leute, die seit fünf bis zehn Jahren Poker spielen, wissen, dass PartyPoker die eigentlich größte Marke ist“, so der COO Segev selbstbewusst und optimistisch.

Obwohl GVCs Hauptgeschäft im Bereich Sportwetten liegt (bwin), soll weiterhin besonders in Produkt-Upgrades und Marketing investiert werden. Ein ganz besonderes Augenmerk wolle man zudem auf die Bedürfnisse der Kunden werfen – wie die aktuelle Reaktion der Pokerseite hinsichtlich besagter Kundenbeschwerden demonstriert. Unter dem Strich schenkt die Aktiengesellschaft dem Team PartyPoker großzügigen Spielraum zur Entfaltung, wie es heißt.

Inwiefern PartyPoker an den Glanz vergangener Zeiten anknüpfen kann und ob es dem Traditionsportal tatsächlich in den kommenden Jahren gelingt, seine vermeintlich alten Kunden vom übermächtig erscheinenden Stars Group-Duo abzugreifen, bleibt abzuwarten.

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