Illegales Online-Casino-Netzwerk in der Ukraine aufgeflogen

Die ukrainische Cyberpolizei hat ein illegales Netzwerk für Online-Glücksspiel entlarvt. Bei den Kriminellen handelt es sich um ehemalige russische Staatsbürger, die bereits in ihrem Heimatland auffällig und verfolgt wurden. Ihre Geschäfte setzte die Gruppe von der Ukraine aus fort. Sowohl in Russland wie auch der Ukraine gelten die mitunter strengsten Glücksspielverbote der Welt.

Bei den Verdächtigen handelt es sich um insgesamt zwölf, ursprünglich aus Russland stammende Personen, im Alter zwischen 28 und 34 Jahren, von denen zwei als Drahtzieher des illegalen Glücksspielrings gelten. Ein Teil der Verdächtigen hat die ukrainische Staatsbürgerschaft angenommen, die Rechtmäßigkeit der Staatszugehörigkeit wird aktuell durch die Sicherheitsbeamten überprüft.

Die Cyberpolizei – eine 2015 gegründete ukrainische Sondereinheit mit Schwerpunkt Online-Kriminalität – hatte Razzien in 15 verdächtigen Büros durchgeführt. Die Beamte konnten dabei 80 weitere am Netzwerk beteiligte Personen identifizieren. Es handelte sich dabei um Buchhalter, Spieleentwickler, Webdesigner, diverse Administratoren und Supportmitarbeiter, die für das ‚Unternehmen‘ tätig waren. Angeblich wurde sogar ein Call-Center betrieben.

Summa summarum konnten in den Büros etwa 100 Computer, Mobiltelefone und Geschäftsdokumente, darunter ein US-Bankscheckbuch, sichergestellt werden. Außerdem konfiszierte die Polizei mehrere ‚Dienstfahrzeuge‘ sowie einige russische Ausweise der Kernmitglieder des Netzwerks. Auch Waffen, Patronen, Drogen und ausländisches Bargeld wurden gefunden, es scheint als hätte der Ring organisiertes Verbrechen in ‚großem Stil‘ betrieben.

Die Gruppierung wird indessen beschuldigt insgesamt acht Online Casinos betrieben zu haben. Dabei handelt es sich namentlich um die Domains: 24vulkan.com, pharaonclub.com, vulkanclub.com, slotvulkanclub.com, greencasino.com, anonymcasino.com, eldoradoclub.com und estcasino.com.

Die Webseiten zielten vorwiegend auf Kunden der GUS – die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten mit Hauptsitz in Minsk. Hierbei handelt es sich um einen 1991 gegründeten Staatenbund, bestehend aus diversen Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion, geleitet unter russischem, weißrussischem und ukrainischem Dach. Geldtransaktionen tätigte das illegale Syndikat unter anderem über russische Banken, wie es heißt.

Laut Medienberichten will das Darnytsky-Bezirksgericht der ukrainischen Hauptstadt Kiew die beiden Hauptbeschuldigten der kriminellen Vereinigung ohne Umschweife in Untersuchungshaft nehmen. Eine Kaution von einer Million Hrywnja, umgerechnet etwa 30.000 Euro, soll demnach festgelegt worden sein. Der Fall wird weiter durch die Behörden untersucht.

„Glücksspiel, gefährlicher als Alkoholismus“

In der Ukraine, zweitgrößtes europäischen Staatsgebiet nach Russland, ist Casino-, Glücksspiel- und Wettbetrieb in allen Facetten verboten – Organisation wie Teilnahme in jeglicher Form eingeschlossen.

Nachdem Anfang Mai 2009 neun Menschen durch einen Spielhallen-Brand in Dnipropetrovsk ums Leben kamen, wurde das Gesetz über ein „Verbot des Glücksspielwesens in der Ukraine“ bereits am 15. Mai gleichen Jahres vom ukrainischen Parlament verabschiedet. Als Glücksspiel gilt demnach jede dem Zufall unterliegende Spielaktivität, bei der Geldeinsätze getätigt werden um Preise zu erhalten. Ausnahmen bilden lediglich Billiard und Bowling, Spiele für Werbezwecke und Wohltätigkeit sowie die Lotteriebetriebe der „Ukrainian National Lottery“.

Die damalige Premierministerin Julia Timoschenko, sprach in Folge des Verbots von einer ungewöhnlich hohen Anzahl an Spielhallen – über 100.000 – die „vor allem junge Ukrainer korrumpieren“ würden, letztlich auf Kosten ohnehin armer Familien.

Seit 2010 wird Glücksspiel offiziell nicht mehr in der Liste Ukraines wirtschaftlicher Aktivitäten geführt. Doch dort zeigt sich derweil nur, was sich aktuell in vielen europäischen Ländern zeigt – zuletzt musste es sich Schwedens Verwaltungsminister Ardalan Shekarabi eingestehen –nämlich, dass staatliche Lotterien und Glücksspiel-Verbote in Zeiten des Internet nur geringfügige Wirkung entfalten. Das Verbot führte so auch in Ukraine nicht zur Einstellung, sondern zur Kriminalisierung des Glücksspiels. Neben wachsender Internetkriminalität wurde eine Vielzahl illegaler Spielautomaten seit dem Verbot konfisziert.

Im Frühjahr 2017 wurde daher wieder über eine Öffnung des Marktes debattiert: Ein bereits 2010 eingereichter Gesetzesentwurf “über die Organisation von Glücksspielen und die Unterhaltung von Glücksspielaktivitäten in speziellen Glücksspielzonen” wurde hierfür aufgegriffen. Vorbild für das diskutierte System ist Russland.

Obwohl dort ein florierender Glücksspielmarkt dem Staatshaushalt jährlich Steuererträge in Millionenhöhe einbrachte, hatte Wladimir Putin 2006 – mit der Botschaft „Glücksspiel ist gefährlicher als Alkoholismus“ – eines der strengsten Glücksspielverbote der Welt erlassen. Sämtliche Casinos der Metropolen wurden geschlossen. Einzig die Städte Asow, Altaj, Kaliningrad und Wladiwostok gelten als „Sonderverwaltungszonen.“ Auf der annektierten Krim soll Glücksspiel zudem 2019 erlaubt werden.

Unabhängig von etwaigen Casinozonen wird Online-Glücksspiel aber in beiden Ländern illegales Terrain bleiben. Wie zu vermuten ist das durch Putin etablierte Zonen-System bislang kein Erfolg, vor allem was die Entkriminalisierung der Online-Anbieter betrifft. Der jüngste ukrainische Fall demonstriert an dieser Stelle die juristische Baustelle an der es zu arbeiten gilt: Es boomt der Online-Sektor und das auf nicht absehbare Zeit.

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