Gambling-Mafia auf Malta – Alles nur „aufgewärmte Geschichten“?

Aktuell dementiert die maltesische Glücksspielaufsicht (Malta Gaming Authority, MGA) die seit letzten Oktober lauter werdenden Vorwürfe europäischer Medien, die Behörde sei in die Aktivitäten der italienischen Mafia integriert. Gleichzeitig erhält ein 2017 wegen Geldwäsche gesperrter Buchmacher seine Lizenz zurück.

Ursprünglich basieren die Vorwürfe auf der jahrelangen Recherche der maltesischen Reporterin Daphne Caruana Galizia, die mutmaßlich dafür im Oktober 2017 mit dem Leben bezahlte und durch eine Autobombe starb. Infolge ihrer Ermordung gründeten 18 europäische Medien – unter anderem die Süddeutsche Zeitung (SZ) und die italienische Repubblica (R.it) – das sogenannte „Daphne Projekt“ und setzten die offenbar lebensgefährliche Arbeit der investigativen Journalistin fort.

Bis zuletzt publizierten die Zeitungen beharrlich die Ergebnisse ihrer Recherchen, dass alles – spätestens seit der Ermordung Galizias – darauf hindeutet: Die europäische Online-Glücksspielhochburg Malta wird von der italienischen Mafia kontrolliert, die auf der Inselgruppe im Mittelmeer Millionen scheffelt und die lokale MGA schmiert, welche daher nur Laissez-faire-Politik betreibt.

Die Vorwürfe vermeintlicher Korruption, Geldwäscherei und Steuerhinterziehung in den jüngst veröffentlichten Artikeln der SZ sowie der Times of Malta – vor allem jedoch die angeblichen „Mutmaßungen“ eines großangelegten Reports der Repubblica – werden aktuell in einer offiziellen Stellungnahme der MGA dementiert: Von „sachlichen Ungenauigkeiten, Spekulationen, Unwahrheiten und irreführenden Darstellungen“ ist die Rede. Die Arbeit der Presse beziehe sich lediglich auf „aufgewärmte Geschichten“, wie es heißt.

Auch in der besagten maltesischen Tageszeitung Times of Malta hat die lokale Glücksspielaufsicht zuletzt ein eher fadenscheiniges Statement abgeliefert. Hier heißt es im Wortlaut:

„Die Verhinderung der kriminellen Infiltration ist für die MGA von größter Wichtigkeit. Die MGA stellt sicher, dass ihre Verfahren und Ressourcen unter größter Sorgfalt Anwendung finden.“

Darüber hinaus bezieht die Behörde Position gegen die Vorwürfe, eine Reihe nicht-lizensierter maltesischer Online-Anbieter könne angesichts des mafiösen Backgrounds ungehindert ihren Geschäften nachgehen:

„Vielen Antragstellern wird in der Tat die maltesische Lizenz verweigert, weil sie die Standards für Eignung und Anstand nicht erfüllen. Im Rahmen laufender Überprüfungen werden viele Missstände entdeckt und entsprechende Maßnahmen werden sofort ergriffen.“

Malta überzeugt die Online-Glücksspielbranche insbesondere durch einen höchstgeringen 1-Prozent-Gewinnsteuersatz. Neben seriösen Anbietern ließe sich zudem daher auch eine wachsende Anzahl an ‚Briefkastenfirmen‘ in dem Inselstaat registrieren, heißt es. Derzeit liegen die Jahresumsätze durch Online-Glücksspiel bei etwa 1,2 Mrd. Euro und generieren damit 12 Prozent des maltesischen BIPs.

Maltesische Realität

Laut SZ gelten die organisierten kriminellen Machenschaften der italienischen Mafiaclans auf Malta als erwiesen. In mehreren Fällen sei die Infiltration des digitalen Glücksspielsektors – der sich von Malta über ganz Europa hinweg ausbreitet – durch italienische Ermittler nachgewiesen worden. Mafiaorganisationen sollen die maltesischen Glücksspiellizenzen demnach sogar untereinander weitergereicht und sich abseits jeglicher Konzessionen bereichert haben.

In diesem Zusammenhang kam es Anfang Januar zur Verhaftung des als „Glücksspielkönig“ bekannten Mafiosi Benedetto Bacchi, der durch den Handel mit maltesischen Lizenzen monatlich bis zu 16 Mio. Euro ‚verdient‘ haben soll. Insgesamt wurden 31 Haftbefehle ausgesprochen. Dem illegalen Treiben der berüchtigten Clans tut dies aber keinen Abbruch.

Wie weit das Ausmaß des organisierten Verbrechens zu reichen scheint, zeigt ein aktueller Bescheid des römischen Kassationsgerichts ‚Corte Suprema di Cassazione‘ (Oberster Kassationsgerichtshof), der der Berufungsklage des auf Malta 2017 wegen Geldwäscherei gesperrten, italienischen Wettanbieters CenturionBet stattgibt.

Die Gerichtsinstanz weist die maltesischen Behörden folglich dazu an, die Beschlagnahmung der maltesischen Lizenz für CenturionBet auszusetzten und eine aktualisierte Betriebsgenehmigung zu erteilen. Man könnte nur meinen, der autonome Inselstaat Malta lehne dies auch weiterhin ab – theoretisch kann er das – doch wie die MGA nun mitteilt sei nach einschlägigen Untersuchungen erwiesen, dass „keine Unregelmäßigkeiten auf Seiten des Unternehmens festgestellt werden können.“

„Es ist oft sehr schwierig für uns, Unregelmäßigkeiten in diesen Strukturen aufzudecken, da sie sich hinter Schichten und weiteren Schichten verbergen“, heißt es von Seiten der Polizei zur Untersuchung.

Ein behördliches Vorgehen gegen die scheinbar längst erfolgte, tief verwurzelte mafiöse Infiltration der Glücksspielinsel Malta, mutet in diesem Sinne wie die sprichwörtliche Arbeit gegen Windmühlen an. Die hiesige europäische Presse wird ihren passionierten Kampf gegen den Einfluss der berüchtigten italienischen Familienclans aber trotzdem weiterführen. Denn eine Frage ist im Rahmen der „aufgewärmten Geschichten“ nach wie vor ungeklärt: Warum musste die 53jährige Daphne Caruana Galizia für ihre Arbeit sterben?

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